Von Dankbarkeit und Vergebung
Geschichten von Patient:innen
Lana Lutz
Meine letzte Arbeitsstelle war in einer Naturheilkundlichen Klinik, wo ich vor allem mit chronischen Schmerzpatient:innen und Krebspatient:innen gearbeitet habe. Ich hatte dort viele Begegnungen, durfte mir wirklich persönliche Geschichten anhören und Menschen auf ihrem Heilungsweg begleiten. Einige meiner Erfahrungen möchte ich hier in anonymisierter Form teilen.
Eine Begegnung auf dem Flur
Ich erinnere mich an eine Patientin, die mich auf dem Flur ansprach, kurz nachdem sie aus einer Gruppentherapie mit meinem Kollegen kam. In der Gruppe ging es um das Thema Gedanken, welche Macht sie auf uns haben und wie wir lernen, einen angemessenen Umgang mit ihnen zu finden. Mein Kollege erklärte anhand eines Alltagsbeispiels das sogenannte ABC Modell (schau dir bei Bedarf mein YouTube Video dazu an). Die besagte Patientin fand das gewählte Beispiel aus ihrer Sicht unpassend und war von dem Thema ziemlich getriggert. Sie bat mich daher meinem Kollegen zu sagen, er solle doch bitte andere Beispiele wählen.
Was ich damals sagte und was ich dachte
Damals validierte ich zunächst ihre Gefühle und willigte ein, mit ihm zu reden. Innerlich wusste ich, dass es nicht dazu kommen wird, da ich die Arbeit meines Kollegen und seine Art und Weise der Vermittlung kannte und schätzte. Und vor allem lag ihr Trugschluss darin zu glauben, ihr Umfeld müsste sich ihren Befindlichkeiten anpassen.
Was ein Trigger uns zeigt
Heute hätte ich auf jeden Fall anders reagiert. Denn die Wahrheit ist, dass uns Trigger wichtige Hinweise auf innere ungelöste Konflikte geben. Trigger sind gar nichts schlimmes, übersetzt sind es einfach "Auslöser". Jedoch ist auch dieses Wort eigentlich unpassend, denn wie wir aus dem ABC Modell wissen, führt nicht der Auslöser zur Konsequenz (z.B. Verärgerung), sondern die eigene Bewertung bzw. welche Beziehung wir zu dem Thema haben. Man könnte also auch genau so gut dankbar dafür sein, wenn wir uns durch eine andere Person getriggert fühlen und wir dadurch auf unsere eigenen Themen hingewiesen werden.
Wo wir uns selbst zum Opfer machen
Wofür erzähle ich diese Geschichte? Um ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wo wir uns manchmal selbst zum Opfer und andere zum Täter machen (und ich spreche hier nicht von tatsächlicher Gewalt). Um die Momente zu erkennen, in denen wir jemand anderen für unsere unangenehmen Gefühle verantwortlich machen. Denn in Wahrheit sind wir alle selbst verantwortlich für unsere Gefühle.
Nur am Rande
Es ist wichtig anzuerkennen, wann uns jemand unrecht getan hat. Doch ob ich mir weiter das Label "Opfer" geben möchte oder nicht, entscheide nur ich allein.
Raus aus dem Drama-Dreieck
Ich möchte dich also ermutigen hinzuschauen, wo du die Verantwortung für dich und dein Leben noch in die Hände anderer legst. Wo du dich noch getriggert fühlst und auf welchen ungelösten Konflikt es dir einen Hinweis geben möchte. Wo du dich zum Opfer und andere zum Täter machst. Ziel ist es nämlich aus diesem Drama-Dreieck (Täter-Opfer-Retter) auszusteigen. Denn nur so können wir unsere eigene und auch die Weltgeschichte verändern. Mit Vergebung - und an manchen Stellen vielleicht sogar Dankbarkeit.
Lana Lutz - Lebensberatung
Endlich im Einklang mit dir.
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